Samstag, 8. Januar 2011

Ein schöner Traum

Ein schöner Traum
Am 7. Jan. 2011 habe ich besonders einem Gespräch mit Pater Anselm Grün gelauscht. Der Moderator Giovanni di Lorenz führte es in der Sendung 3nach9 auf Radio Bremen. Als sehr betroffene Kultgeschädigte hat mich die milde, menschenfreundliche Art des Paters im Umgang mit solchen, die Probleme haben fasziniert. Seufzend dachte ich: „Ach wenn sowas doch auch bei den Zeugen Jehovas möglich wäre“.
In der Nacht hatte ich dann einen sehr intensiven Traum. Ich konnte mit meiner Mutter telefonieren und ihr zum 91. Geburtstag gratulieren. Der ist am 15. Januar. Meine Schwestern fragten mich mit strahlendem Lächeln, wie es mir denn geht und mein Bruder hatte Tränen in den Augen, als wir von alten Zeiten sprachen. Ich war so glücklich.
Jetzt, wo ich von meinem Traum schreibe habe ich Tränen in den Augen, denn es ist nur ein Traum. Ich habe meine Familie und meine Freunde verloren, weil die Wachtturm Organisation in unserem Land – und weltweit – dazu aufrufen darf, ehemalige Glaubensgenossen zu ächten. Sie fordert offen zur Diskriminierung auf. Beschimpft uns als verbündete des Teufels, als Gottesleugner und fordert in ihren Schriften dazu auf, sich vor Menschen wie mir zu ekeln. Es entstehen eine totale Kontaktsperre und ein völliger Zusammenbruch aller sozialen Bindungen. In meinem Fall nach 60 Jahren Zugehörigkeit zu dieser Religionsgemeinschaft aus dem einzigen Grund, dass ich nicht mehr alles glauben konnte was in den Wachttrum Schriften veröffentlicht wird. Wegen einiger von mir geäußerten zweifelnden Fragen wurde mir die Gemeinschaft entzogen.
Dr. Sack, vom Klinikum Rechts der Isar in München nennt das: ‚Die Bestrafung mit sozialem Tod‘.
Viele können sich nicht vorstellen in welche emotionale Verzweiflung man da hineingestoßen wird.
Ich wollte von meinem wunderbaren Traum erzählen. Es war in meinem Traum so einfach bei den Zeugen Jehovas auszutreten, wie bei der katholischen oder evangelischen Kirche. Ich konnte einfach gehen und trotzdem durfte ich weiter mit meiner Mutter und mit meinen Geschwistern telefonieren.
Aber als ich aufwachte, war wieder diese Trauer da. In unserem Land werden nur die Täter hinter dem Vorwand „Religionsfreiheit“ geschützt.
Uns nützt unsere Verfassung nichts, die auch uns eigentlich Glaubens- Gewissens- Meinungsfreiheit garantiert. Wenn wir von diesem Recht Gebrauch machen, werden wir wie Abschaum von denen behandelt, die sich für die einzig wahren Christen halten. Das ist unglaublich verletzend und ungerecht.
Trotzdem ich hatte wenigstens diesen schönen Traum.

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