Die Kontaktstelle für Selbsthilfegruppen hat alle Selbsthilfeaktiven zum Neujahrsempfang eingeladen. Ich soll also eine Veranstaltung von „Weltmenschen“ besuchen, von denen mir wenige Tage vorher ein Zeuge Jehovas folgendes geschrieben hatte:
Aber zeigen Sie mir eine weltweite Organisation (politisch oder religiös), die auch nur annähernd das leistet, was Zeugen Jehovas leisten und was sie auch auszeichnet. Bitte seien Sie ehrlich.
Ich habe ja nun meine persönliche Freiheit gefunden. Also bin ich frei in meiner Entscheidung. Ich habe die Einladung dankbar angenommen.
Viele andere Selbsthilfeaktive waren ebenfalls gekommen. Freundliche, hilfsbereite, selbstlose Frauen und Männer jeden Alters, die nur ein Ziel haben, einander in der Not beizustehen. So viele Menschen werden von den unterschiedlichsten Nöten bedrückt und finden Verständnis bei denen, die die gleichen Sorgen drücken.
Depressionen, Spätfolgen der Kinderlähmung, Osteoporose, Essstörungen, Neurodermitis, Krebs, Probleme mit dem älter werden… so unendlich vieles. Manche Gruppe hat bereits das 20-jährige Jubiläum, andere, wie die der anonymen Sektenaussteiger, sind gerade gestartet. Alle Aktive haben eine Gemeinsamkeit, die Motivation zu helfen und füreinander da sein.
Dass diese Arbeit und das selbstlose Engagement durch diesen Neujahrsempfang gewürdigt wurde, war eine sehr schöne Geste und hat uns sehr gefreut. Vielen herzlichen Dank dafür.
Wir wurden von Frau Seidel mit launigen, frechen, Sau guten Neujahrswünschen begrüßt. Die musikalische Umrahmung übernahmen zwei sehr talentierte Jugendliche. Die Geschwister Schwamm. Sie spielten Duette von W.A. Mozart und A. Lidl, einem Zeitgenossen Mozarts. Ich persönlich war von ihrer Darbietung sehr berührt, die vor der Kulisse von traumhaft schönen, winterlichen Impressionen ein Gänsehautgefühl bei mir auslöste.
Nach einer kleinen Neujahrsgeschichte, folgte
Gebet eines Pfarrers von St. Lamberti zu Münster (1883)
Herr, setze dem Überfluss Grenzen
und lasse die Grenzen überflüssig werden.
Lasse die Leute kein falsches Geld machen,
aber auch das Geld keine falschen Leute.
Nimm den Ehefrauen das letzte Wort
und erinnere die Männer an ihr erstes.
Schenke unseren Freunden mehr Wahrheit
und der Wahrheit mehr Freunde.
Bessere solche Beamte, Geschäfts- und Arbeitsleute,
die wohl tätig, aber nicht wohltätig sind.
Gib den Regierenden ein besseres Deutsch
und den Deutschen eine bessere Regierung.
Herr, sorge dafür, dass wir in den Himmel kommen -
aber nicht sofort.
Amen.
Nach einer weiteren Darbietung der Geschwister Schwamm erfuhren wir, dass sich für das Jahr 2011 vier Freunde nach uns erkundigt hatten. Sie wollten uns begleiten.
Es waren die Freunde
Gesundheit
Frieden
Liebe
Zufriedenheit
Während die Geschwister Schwamm den offiziellen Teil mit einem weiteren Duett beschlossen und zum gemütlichen Teil überleiteten, bei dem man sich am Buffet mit Essen und Trinken stärken konnte, dachte ich über meine verlorenen Jahre nach.
Sicher hätte ich in all den Jahren einige Menschen getroffen, die dem Bild entsprachen, das die Wachtturm Literatur von „Weltmenschen“ zeichnet. Die „eigenliebig, geldliebend, anmaßend, hochmütig, Lästerer, den Eltern ungehorsam, undankbar … Verleumder, ohne Selbstbeherrschung, brutal, ohne Liebe zum Guten, Verräter“ usw. sind.
Doch ich habe eindeutig die Chance verpasst, Menschen zu treffen von denen Christus sagt: „Kommt her, die ihr von meinem Vater gesegnet worden seid…“ Er erklärt ihnen, dass sie Hungrigen zu Essen gegen haben, Durstigen zu trinken, dass sie Fremde gastfreundlich aufgenommen haben und Nackte bekleideten. Sie haben nach Kranken gesehen (und Selbsthilfegruppen gegründet) und verfolgte im Gefängnis besucht. Hier habe ich Menschen getroffen, die christliche Nächstenliebe leben. Nicht nur predigen.
Nun bin ich also so ehrlich und sage ganz offen, dass mich dieser selbstlose Einsatz für den Nächsten sehr viel mehr beeindruckt als die weltweite Werbeaktion und Selbstbeweihräucherung der Wachtturm Organisation.
Es war für mich eine schöne, neue Erfahrung und ein angenehmer Abend, den ich mit dem Besuch der ersten Bilder Ausstellung abgeschlossen habe. Die Depressionsgruppe hat sehr beeindruckende Bilder präsentiert.
Das Schlusswort von Frau Seidel war:
„Ein Jahr ist wie Ebbe und Flut“
Dem schließe ich mich an. Ein Jahr kommt und ein Jahr geht. Das steht fest. Doch was die Gezeiten bringen kann man nie mit Bestimmtheit vorhersagen.
Mittwoch, 26. Januar 2011
Samstag, 8. Januar 2011
Ein schöner Traum
Ein schöner Traum
Am 7. Jan. 2011 habe ich besonders einem Gespräch mit Pater Anselm Grün gelauscht. Der Moderator Giovanni di Lorenz führte es in der Sendung 3nach9 auf Radio Bremen. Als sehr betroffene Kultgeschädigte hat mich die milde, menschenfreundliche Art des Paters im Umgang mit solchen, die Probleme haben fasziniert. Seufzend dachte ich: „Ach wenn sowas doch auch bei den Zeugen Jehovas möglich wäre“.
In der Nacht hatte ich dann einen sehr intensiven Traum. Ich konnte mit meiner Mutter telefonieren und ihr zum 91. Geburtstag gratulieren. Der ist am 15. Januar. Meine Schwestern fragten mich mit strahlendem Lächeln, wie es mir denn geht und mein Bruder hatte Tränen in den Augen, als wir von alten Zeiten sprachen. Ich war so glücklich.
Jetzt, wo ich von meinem Traum schreibe habe ich Tränen in den Augen, denn es ist nur ein Traum. Ich habe meine Familie und meine Freunde verloren, weil die Wachtturm Organisation in unserem Land – und weltweit – dazu aufrufen darf, ehemalige Glaubensgenossen zu ächten. Sie fordert offen zur Diskriminierung auf. Beschimpft uns als verbündete des Teufels, als Gottesleugner und fordert in ihren Schriften dazu auf, sich vor Menschen wie mir zu ekeln. Es entstehen eine totale Kontaktsperre und ein völliger Zusammenbruch aller sozialen Bindungen. In meinem Fall nach 60 Jahren Zugehörigkeit zu dieser Religionsgemeinschaft aus dem einzigen Grund, dass ich nicht mehr alles glauben konnte was in den Wachttrum Schriften veröffentlicht wird. Wegen einiger von mir geäußerten zweifelnden Fragen wurde mir die Gemeinschaft entzogen.
Dr. Sack, vom Klinikum Rechts der Isar in München nennt das: ‚Die Bestrafung mit sozialem Tod‘.
Viele können sich nicht vorstellen in welche emotionale Verzweiflung man da hineingestoßen wird.
Ich wollte von meinem wunderbaren Traum erzählen. Es war in meinem Traum so einfach bei den Zeugen Jehovas auszutreten, wie bei der katholischen oder evangelischen Kirche. Ich konnte einfach gehen und trotzdem durfte ich weiter mit meiner Mutter und mit meinen Geschwistern telefonieren.
Aber als ich aufwachte, war wieder diese Trauer da. In unserem Land werden nur die Täter hinter dem Vorwand „Religionsfreiheit“ geschützt.
Uns nützt unsere Verfassung nichts, die auch uns eigentlich Glaubens- Gewissens- Meinungsfreiheit garantiert. Wenn wir von diesem Recht Gebrauch machen, werden wir wie Abschaum von denen behandelt, die sich für die einzig wahren Christen halten. Das ist unglaublich verletzend und ungerecht.
Trotzdem ich hatte wenigstens diesen schönen Traum.
Am 7. Jan. 2011 habe ich besonders einem Gespräch mit Pater Anselm Grün gelauscht. Der Moderator Giovanni di Lorenz führte es in der Sendung 3nach9 auf Radio Bremen. Als sehr betroffene Kultgeschädigte hat mich die milde, menschenfreundliche Art des Paters im Umgang mit solchen, die Probleme haben fasziniert. Seufzend dachte ich: „Ach wenn sowas doch auch bei den Zeugen Jehovas möglich wäre“.
In der Nacht hatte ich dann einen sehr intensiven Traum. Ich konnte mit meiner Mutter telefonieren und ihr zum 91. Geburtstag gratulieren. Der ist am 15. Januar. Meine Schwestern fragten mich mit strahlendem Lächeln, wie es mir denn geht und mein Bruder hatte Tränen in den Augen, als wir von alten Zeiten sprachen. Ich war so glücklich.
Jetzt, wo ich von meinem Traum schreibe habe ich Tränen in den Augen, denn es ist nur ein Traum. Ich habe meine Familie und meine Freunde verloren, weil die Wachtturm Organisation in unserem Land – und weltweit – dazu aufrufen darf, ehemalige Glaubensgenossen zu ächten. Sie fordert offen zur Diskriminierung auf. Beschimpft uns als verbündete des Teufels, als Gottesleugner und fordert in ihren Schriften dazu auf, sich vor Menschen wie mir zu ekeln. Es entstehen eine totale Kontaktsperre und ein völliger Zusammenbruch aller sozialen Bindungen. In meinem Fall nach 60 Jahren Zugehörigkeit zu dieser Religionsgemeinschaft aus dem einzigen Grund, dass ich nicht mehr alles glauben konnte was in den Wachttrum Schriften veröffentlicht wird. Wegen einiger von mir geäußerten zweifelnden Fragen wurde mir die Gemeinschaft entzogen.
Dr. Sack, vom Klinikum Rechts der Isar in München nennt das: ‚Die Bestrafung mit sozialem Tod‘.
Viele können sich nicht vorstellen in welche emotionale Verzweiflung man da hineingestoßen wird.
Ich wollte von meinem wunderbaren Traum erzählen. Es war in meinem Traum so einfach bei den Zeugen Jehovas auszutreten, wie bei der katholischen oder evangelischen Kirche. Ich konnte einfach gehen und trotzdem durfte ich weiter mit meiner Mutter und mit meinen Geschwistern telefonieren.
Aber als ich aufwachte, war wieder diese Trauer da. In unserem Land werden nur die Täter hinter dem Vorwand „Religionsfreiheit“ geschützt.
Uns nützt unsere Verfassung nichts, die auch uns eigentlich Glaubens- Gewissens- Meinungsfreiheit garantiert. Wenn wir von diesem Recht Gebrauch machen, werden wir wie Abschaum von denen behandelt, die sich für die einzig wahren Christen halten. Das ist unglaublich verletzend und ungerecht.
Trotzdem ich hatte wenigstens diesen schönen Traum.
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