2. Harmagedon
Aus der Grundangst vor der Sünde gegen den Heiligen Geist geht die Angst vor Harmagedon hervor.
Dieses Wort steht für das Gottesgericht oder die „große Schlacht Gottes des Allmächtigen“. Wer in dieser Schlacht „vernichtet“ wird, hat nach dem Glauben der Zeugen Jehovas keine Aussicht auf eine Auferstehung und auch kein Recht auf ewiges Leben im Paradies auf Erden, denn er ist von Gott persönlich als Sünder mit dem ewigen Tod bestraft.
Die Angst vor Harmagedon wird instrumentalisiert um immer wieder zu eifrigem Predigen anzustacheln. In der Neuzeit ist dafür ein sehr gutes Beispiel die Endzeitprognose 1975.
Dieses Datum errechnete sich aus dem Glauben, dass im 20. Jahrhundert der 7000 Jahre dauernde Ruhetag Gottes enden und die tausendjährige Friedensherrschaft des Christus beginnen sollte. Als Beweis dafür konstruierte man eine Berechnungsformel nach der die Erde in 6 mal 7000 Jahren von Gott erschaffen wurde und danach eine Ruheperiode oder Sabbatzeit von 7000 Jahren begann. Der letzte Akt der Schöpfung war die Erschaffung Adams. Die wäre im Jahre 1975 genau 6000 Jahre zurückliegend. Der Beginn der letzten 1000 Jahre der Ruhezeit Gottes sollte von Christus genützt werden um die Erde wieder in ein Paradies zu verwandeln.
Dafür musste er wohl oder übel zuvor alles „Böse“ im Krieg von Harmagedon vernichten.
Jehovas Zeugen fühlen sich von Matthäus 24 Vers 14 „Diese gute Botschaft vom Königreich muss gepredigt werden, allen Nationen zu einem Zeugnis und dann wird das Ende kommen“, beauftragt, weltweit vor Harmagedon zu warnen. Je glaubwürdiger man ihnen vermittelt, dass das Ende nun unmittelbar bevor steht, desto eifriger sind sie bereit zu „predigen“ und die Wachtturm-Literatur zu verbreiten.
Im Beispiel 1975 kann man das sehr gut an den Erfolgszahlen ablesen:
In der Zeit von 1870 bis 1968 gab es weltweit insgesamt circa 1.156.000 Zeugen Jehovas. Von 1968 als zum ersten Mal die Endzeitprognose 1975 anlässlich der Kongresse vorgestellt wurde, bis zum Jahre 1975, stieg die Zahl um mehr als 1.000.000 auf rund 2.180.000 getaufte, aktive Zeugen.
In regelmäßigen Abständen wird seither immer und immer wieder in Veröffentlichungen der Wachtturm-Gesellschaft mit scheinbar vom heiligen Geist geleiteten Ausführungen der „Leitenden Körperschaft“ auf das nun noch dringlicher zu erwartende Ende verwiesen und zum „Schlusszeugnis“ aufgerufen.
Die Zeugen Jehovas, die im allgemeinen friedliebende, hilfsbereite und gutmütige Zeitgenossen sind, müssen dabei die Tatsache für sich komplett verdrängen, dass ihre vermeintlich „gute Botschaft“ in Wirklichkeit Horror hoch drei ist.
Ihre Aussage ist ja tatsächlich: ‚Wir sieben Millionen Zeugen Jehovas werden gerettet (das müssen sie fest und ehrlich glauben, wenn sie nicht vor Angst verzweifeln sollen) und sieben Milliarden Menschen werden in einem nicht vorstellbaren Blutbad von Gott vernichtet und es werden die Vögel des Himmels kommen und die Fleischteile der Getöteten fressen‘. Natürlich sieht ein Zeuge Jehovas seinen frustrierenden Einsatz im „Predigtdienst“ nur darum als gut und notwendig an, weil er Menschen vor dieser Katastrophe „retten“ will. Nie kommt er auf die Idee, dass er von einem Druckereikonzern unentgeltlich als „Werber“ gebraucht wird, der sogar noch die von ihm verbreitete Literatur durch seine eigenen freiwilligen Spenden finanziert.
Wie ich die Zeit um 1975 erlebt habe siehe „Mara im Kokon“ ab Seite 157
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